Cloud-Technologien sind im öffentlichen Sektor längst etabliert. Sie sind ein zentraler Enabler für moderne Verwaltungsleistungen, durchgängige Prozesse und eine resiliente IT. Nach und nach ersetzen sie zahlreiche im eigenen Haus betriebene Systemlandschaften. Auch wenn Letztere ebenfalls virtuell als Cloud betrieben werden können, spricht in den meisten Fällen einiges dafür, externe Dienstleiser einzubinden.
Im Gespräch ordnet der Bereichsleiter Digitalisierung & E-Government der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) ein, welche Rolle Cloud-Services im Kontext der Verwaltungsmodernisierung spielen, warum Souveränität und Resilienz dabei zu Erfolgsfaktoren werden und wie regionale Zusammenarbeit, Standards und vertrauenswürdige Anbieter das Tempo der Digitalisierung erhöhen können.
Welche Rolle spielen Cloud-Services für die Themen E-Government und Digitalisierung im öffentlichen Sektor?
Cloud-Services sind in Bezug auf E-Government vor allem ein Weg, den sicheren und stabilen Betrieb trotz wachsender Anforderungen zu gewährleisten: Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und einheitliche Betriebsmodelle werden wichtiger – während Fachkräfte in den IT-Abteilungen vieler Kommunen knapp sind.
Gleichzeitig unterstützen Cloud-Ansätze Standardisierung und Wiederverwendung: Wenn wir Leistungen nach gemeinsamen Vorgaben entwickeln und betreiben, lassen sich Lösungen schneller in die Fläche bringen – mit klaren Sicherheits- und Compliance-Anforderungen als Grundvoraussetzung. Genau deshalb setzen wir in der MRN stark auf Kooperation und Transfer: von Pilotierung bis hin zu „Blaupausen“, die Kommunen pragmatisch übernehmen können. Die länder- und ebenenübergreifende Zusammenarbeit ist das Alleinstellungsmerkmal der MRN. Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sehen in der Region einen Innovations-, Erprobungs- und Umsetzungsraum.
Wieso kommt es hier auf Souveränität an und was verstehen Sie darunter?
Souveränität bedeutet für mich in erster Linie selbst die Kontrolle zu haben und dabei von Dritten weitgehend unabhängig zu sein: Wer entscheidet über Daten, Betrieb, Schlüssel und Zugriffe – und wer kann im Ernstfall Leistungen weiter sicher erbringen? Im Verwaltungsumfeld geht es nicht nur um Datenschutz, sondern auch um Handlungsfähigkeit: Also die Möglichkeit, kritische Prozesse ohne unklare Abhängigkeiten zu betreiben, Anbieter wechseln zu können und Regeln selbst zu setzen. Das ist weniger eine Ideologie als eine praktische Risikosteuerung – gerade bei Kernprozessen der Daseinsvorsorge.
Cloud-Technologien sind im öffentlichen Sektor längst etabliert. Sie sind ein zentraler Enabler für moderne Verwaltungsleistungen, durchgängige Prozesse und eine resiliente IT. Nach und nach ersetzen sie zahlreiche im eigenen Haus betriebene Systemlandschaften. Auch wenn Letztere ebenfalls virtuell als Cloud betrieben werden können, spricht in den meisten Fällen einiges dafür, externe Dienstleiser einzubinden.
Im Gespräch ordnet der Bereichsleiter Digitalisierung & E-Government der Metropolregion Rhein-Neckar (MRN) ein, welche Rolle Cloud-Services im Kontext der Verwaltungsmodernisierung spielen, warum Souveränität und Resilienz dabei zu Erfolgsfaktoren werden und wie regionale Zusammenarbeit, Standards und vertrauenswürdige Anbieter das Tempo der Digitalisierung erhöhen können.
Welche Rolle spielen Cloud-Services für die Themen E-Government und Digitalisierung im öffentlichen Sektor?
Cloud-Services sind in Bezug auf E-Government vor allem ein Weg, den sicheren und stabilen Betrieb trotz wachsender Anforderungen zu gewährleisten: Verfügbarkeit, Skalierbarkeit und einheitliche Betriebsmodelle werden wichtiger – während Fachkräfte in den IT-Abteilungen vieler Kommunen knapp sind. Gleichzeitig unterstützen Cloud-Ansätze Standardisierung und Wiederverwendung: Wenn wir Leistungen nach gemeinsamen Vorgaben entwickeln und betreiben, lassen sich Lösungen schneller in die Fläche bringen – mit klaren Sicherheits- und Compliance-Anforderungen als Grundvoraussetzung. Genau deshalb setzen wir in der MRN stark auf Kooperation und Transfer: von Pilotierung bis hin zu „Blaupausen“, die Kommunen pragmatisch übernehmen können. Die länder- und ebenenübergreifende Zusammenarbeit ist das Alleinstellungsmerkmal der MRN. Die Länder Baden-Württemberg, Hessen und Rheinland-Pfalz sehen in der Region einen Innovations-, Erprobungs- und Umsetzungsraum.
Wieso kommt es hier auf Souveränität an und was verstehen Sie darunter?
Souveränität bedeutet für mich in erster Linie selbst die Kontrolle zu haben und dabei von Dritten weitgehend unabhängig zu sein: Wer entscheidet über Daten, Betrieb, Schlüssel und Zugriffe – und wer kann im Ernstfall Leistungen weiter sicher erbringen? Im Verwaltungsumfeld geht es nicht nur um Datenschutz, sondern auch um Handlungsfähigkeit: Also die Möglichkeit, kritische Prozesse ohne unklare Abhängigkeiten zu betreiben, Anbieter wechseln zu können und Regeln selbst zu setzen. Das ist weniger eine Ideologie als eine praktische Risikosteuerung – gerade bei Kernprozessen der Daseinsvorsorge.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der öffentlichen Verwaltung hinsichtlich Abhängigkeit von außereuropäischer IT-Anbieter?
Wir sehen eine spürbare Abhängigkeit von wenigen großen, oft außereuropäischen Plattformanbietern – technologisch, operativ und teils auch rechtlich. Das Problem ist nicht „die Cloud“ an sich, sondern Jurisdiktion und Durchgriffsmöglichkeiten: Der EuGH hat mit Schrems II sehr deutlich gemacht, dass Datenübermittlungen in Drittländer nur zulässig sind, wenn dort ein im Wesentlichen gleichwertiges Schutzniveau besteht – und für die USA wurde ein solches Niveau damals verneint.
Zusätzlich adressiert der US CLOUD Act ausdrücklich eine extraterritoriale Reichweite von Zugriffsanordnungen, was in Europa zu Konflikten zwischen US-Recht und EU-Recht führen kann – und damit zu Unsicherheit, die Verwaltungen nicht als Risiko eingehen sollten.
Inwiefern können regionale Cloudservices helfen?
Regionale Cloud-Services können Vertrauen, Transparenz und Kontrolle deutlich stärken – weil Nähe und Verantwortlichkeiten greifbarer sind: kurze Wege, klare Ansprechpartner, nachvollziehbare Betriebs- und Sicherheitskonzepte. In der Praxis heißt das auch: besser passende Lösungen für kommunale Realitäten, mehr Bereitschaft zu Co-Creation und eine höhere Akzeptanz bei sensiblen Verfahren. Ergänzend entsteht ein Ökosystem aus regionalen Anbietern, das digitale Wertschöpfung vor Ort hält – wie man es beispielsweise in der Region über Initiativen rund um regionale Cloud-Services und Partnerschaften diskutiert. Das Netzwerk Smart Industries, Rhein-Neckar.io, der Arbeitskreis Digitalisierung und E-Government der MRN, sind nur einige nennenswerte Initiativen. Die MRN hat zahlreiche weitere davon und die meisten haben auf Grund ihrer Spezialisierung, ihrer Stakeholder oder ihrer Zielgruppen ihre Berechtigung – andere wiederum sollte man besser mit den bestehenden Netzwerken konsolidieren.
Wie beurteilen Sie die aktuelle Situation der öffentlichen Verwaltung hinsichtlich Abhängigkeit von außereuropäischer IT-Anbieter?
Wir sehen eine spürbare Abhängigkeit von wenigen großen, oft außereuropäischen Plattformanbietern – technologisch, operativ und teils auch rechtlich. Das Problem ist nicht „die Cloud“ an sich, sondern Jurisdiktion und Durchgriffsmöglichkeiten: Der EuGH hat mit Schrems II sehr deutlich gemacht, dass Datenübermittlungen in Drittländer nur zulässig sind, wenn dort ein im Wesentlichen gleichwertiges Schutzniveau besteht – und für die USA wurde ein solches Niveau damals verneint.
Zusätzlich adressiert der US CLOUD Act ausdrücklich eine extraterritoriale Reichweite von Zugriffsanordnungen, was in Europa zu Konflikten zwischen US-Recht und EU-Recht führen kann – und damit zu Unsicherheit, die Verwaltungen nicht als Risiko eingehen sollten.
Inwiefern können regionale Cloudservices helfen?
Regionale Cloud-Services können Vertrauen, Transparenz und Kontrolle deutlich stärken – weil Nähe und Verantwortlichkeiten greifbarer sind: kurze Wege, klare Ansprechpartner, nachvollziehbare Betriebs- und Sicherheitskonzepte. In der Praxis heißt das auch: besser passende Lösungen für kommunale Realitäten, mehr Bereitschaft zu Co-Creation und eine höhere Akzeptanz bei sensiblen Verfahren. Ergänzend entsteht ein Ökosystem aus regionalen Anbietern, das digitale Wertschöpfung vor Ort hält – wie man es beispielsweise in der Region über Initiativen rund um regionale Cloud-Services und Partnerschaften diskutiert. Das Netzwerk Smart Industries, Rhein-Neckar.io, der Arbeitskreis Digitalisierung und E-Government der MRN, sind nur einige nennenswerte Initiativen. Die MRN hat zahlreiche weitere davon und die meisten haben auf Grund ihrer Spezialisierung, ihrer Stakeholder oder ihrer Zielgruppen ihre Berechtigung – andere wiederum sollte man besser mit den bestehenden Netzwerken konsolidieren.
Wo sehen Sie Optimierungspotential in der Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und Anbietern?
Wir müssen früher und strukturierter zusammenarbeiten – weniger „das Lastenheft über den Zaun werfen“, mehr gemeinsames Problemverständnis. Formate wie unser interkommunaler Austausch im Arbeitskreis Digitalisierung & E-Government helfen, Bedarfe zu bündeln und Projekte so zu priorisieren, dass sie skalierbar und transferierbar sind. Aus Anbietersicht lohnt sich mehr Präsenz in den Netzwerken – und aus Verwaltungssicht mehr Mut zu Pilotierung mit klaren Standards.
Ein gutes Beispiel ist die medienbruchfreie Umsetzung des digitalen Handwerkerparkausweises in der MRN: ein zentraler Onlineprozess, gemeinsam mit Partnern umgesetzt und in der Fläche anerkannt – genau diese Kombination aus Kooperation, Standardprozess und sauberem Betrieb brauchen wir häufiger.
Genaugenommen können wir in der Region alles auf höchstem Niveau selbst machen. Wir haben alle Anbieter vor Ort und vom Kleinunternehmen bis zum global agierenden DAX-Unternehmen in jeder Kategorie Spitzenklasse. Somit lassen sich die Anforderungen der Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in jeder Größenklasse bedienen.
Wo sehen Sie Optimierungspotential in der Zusammenarbeit zwischen Verwaltungen und Anbietern?
Wir müssen früher und strukturierter zusammenarbeiten – weniger „das Lastenheft über den Zaun werfen“, mehr gemeinsames Problemverständnis. Formate wie unser interkommunaler Austausch im Arbeitskreis Digitalisierung & E-Government helfen, Bedarfe zu bündeln und Projekte so zu priorisieren, dass sie skalierbar und transferierbar sind. Aus Anbietersicht lohnt sich mehr Präsenz in den Netzwerken – und aus Verwaltungssicht mehr Mut zu Pilotierung mit klaren Standards.
Ein gutes Beispiel ist die medienbruchfreie Umsetzung des digitalen Handwerkerparkausweises in der MRN: ein zentraler Onlineprozess, gemeinsam mit Partnern umgesetzt und in der Fläche anerkannt – genau diese Kombination aus Kooperation, Standardprozess und sauberem Betrieb brauchen wir häufiger.
Genaugenommen können wir in der Region alles auf höchstem Niveau selbst machen. Wir haben alle Anbieter vor Ort und vom Kleinunternehmen bis zum global agierenden DAX-Unternehmen in jeder Kategorie Spitzenklasse. Somit lassen sich die Anforderungen der Unternehmen und öffentlichen Verwaltungen in jeder Größenklasse bedienen.
Zur Person:
Thomas Wieland ist Experte für Verwaltungsmodernisierung und E-Government. Als Abteilungsleiter des operativen IT-Betriebs und Chief Digital Officer (CDO) des Kreises Bergstraße konnte der diplomierte Betriebswirt seit 2014 Erfahrung mit der operativen Umsetzung von Digitalisierungsprojekten sammeln. Seit Januar 2022 ist Wieland Bereichsleiter „Digitalisierung und E-Government“ sowie Handlungsbevollmächtigter der Metropolregion Rhein-Neckar GmbH. Er ist zudem Lehrbeauftragter für E-Government an der Fakultät für Wirtschaft, Studiengang Öffentliche Wirtschaft, der Dualen Hochschule Baden-Württemberg, am Campus Mannheim.


